
Obwohl eigentlich alle AVANTI-Tankstellen als Bedienungstankstellen konzipiert sind, geht die Tankstelle im 10. Bezirk, Landgutgasse, einen anderen Weg. Diese Tankstelle wird als Selbstbedienungstankstelle geführt und RollstuhlfahrerInnen, sollten sie Hilfe beim Tanken benötigen, können anrufen, damit ihnen das Personal hilft.
Götzinger – 28. Mai, 12:28

Um dieses Behinderten-WC - gesehen am Franz Josefs-Bahnhof - benützen zu können, bedarf es eines Sprungbrettes, denn nicht nur daß der Sockel absolut im Weg ist, ist auch noch das WC selbst sehr hoch angebracht - viel Vergnügen beim Springen!
Götzinger – 28. Mai, 12:20
Ich war mal wieder auf der Mariahilferstraße unterwegs. Da sah ich, wie ein Lokal umgebaut wird. Allerdings gab es beim Eingang eine Stufe und noch zwei weitere ins Lokal hinein. Ich dachte mir, wenn man die erste Stufe wegnimmt, bleibt nur mehr eine Stufe über und die könnte man leicht in eine Rampe umwandeln.
Diese Idee brachte ich dem Leiter der Kompetenzstelle näher. Nach Absprache mit dem Abteilungsleiter machte er eine Anfrage an die Bauleitung, ob das Lokal stufenlos zugänglich wird. Die Antwort war, die Stufe beim Eingang kommt weg.
Doch diese schriftliche Stellungnahme war eindeutig ein falsches Versprechen. Das Eisgeschäft ist jetzt fast ein Jahr schon geöffnet und die Stufe beim Eingang ist geblieben.
Wer ist jetzt in Beweisnotstand? Die österreichische Antwort: "Niemand", denn keinem tut diese Stufe weh - außer daß Rollstuhlfahrer wieder einmal daran gehindert werden, Kunden zu sein!

Götzinger – 25. Mai, 16:56
Typisch österreichisch ist folgende Handhabe.
Es gibt im 1., Bezirk, Johannesgasse ein ehemaliges Eisgeschäft, späteres Cafehaus und jetztiges Spitzenrestaurant, daß sieben Eingänge hat, wobei der erste Eingang stufenlos für Rollstuhlfahrer zugänglich war! Ich schreibe ausdrücklich war, denn der letzte Besitzer hat beschlossen, alle Eingänge, bis auf den mittleren, der eine Stufe hat, zu schließen und die Schnallen abzumontieren.
So kann jetzt kein Rollstuhlfahrer das Lokal im Alleingang benützen, denn um eine Stufe zu überwinden, braucht man schon eine ordentliche Kondition und die richtige Behinderung, wie zum Beispiel eine niedrige Querschnittlähmung. Alle anderen Behinderungen schaffen diese Stufe nicht.
Fragen über Fragen
Wo bleibt die zuständige Aufsichtsbehörde?
Wieso agiert sie gegen RollstuhlfahrerInnen und gibt Genehmigungen aus, die gegen RollstuhlfahrerInnen sind?
Und warum möchte der derzeitige Besitzer keine rollstuhlfahrenden Gäste?
Götzinger – 25. Mai, 16:08

Da ich öfter in der Eisenbahnstraße Richtung Q19 unterwegs bin, ärgerte ich mich jedes Mal über die nicht vorhandene Gehsteigabschrägung. Doch seit 2006 hat die Stadt Wien die Homepage
http://www.wien.gv.at/menschen/barrierefreiestadt/ eingerichtet, auf der man Barrieren melden kann. Gedacht - getan.
Dcoh was bekam ich als Antwort: An dieser Ecke könne man keine Gehsteigabschrägung machen, da von der Garage des Q19 immer wieder Autos raus fahren - das wäre für Rollstuhlfahrer zu gefährlich, über diese Kreuzung zu fahren.
Welche Meinung über behinderte Menschen sitzt da in so manchen verantwortlichen Köpfen - glauben wirklich noch einige, behinderte Leute müssen vor sich selbst geschützt werden, weil sie anscheinend den Verkehr nicht richtig einschätzen können. Da würden sich auch alle behinderte Autofahrer und deren Wunsch nach Behindertenparkplätzen ad absurdum führen, wenn man sie vor sich selbst schützen müßte, denn da dürften sie auch nicht Auto fahren, oder?
Götzinger – 24. Mai, 21:24
Letztens saß ich mit zwei Studentinnen der Pflegewissenschaften zusammen, um ein Referat zum Thema "Persönliches Budget" vorzubereiten.
Beide konnten mit dem Thema nichts anfangen, so fühlte ich mich bemüßigt, ihnen anhand eines realen Vorfalls das Thema näher zu bringen.
Ich: Stell Dir vor, die Kulturstätten Szene Wien und Metropol haben jeweils ein Behinderten-WC, Behindertenstellplätze aber eine Stufe, um zu Karten zu kommen.
Eine der beiden: Und wo liegt das Problem? Du kannst ja jemanden ansprechen, der Dir hilft.
Ich: Ja, wenn jemand vorbeikommt!
Nur mit dem Persönlichen Budget kann ich mir Assistenten anstellen, die mir bei solchen Hindernissen helfen.
Lernstoff
Jetzt frag ich mich - die beiden studieren Pflegewissenschaften und schreiben schon an ihrer Magisterarbeit - was lernt man eigentlich bei Pflegewissenschaften? Anscheinend nicht, daß das größte Problem von Rollstuhlfahrern Stufen sind!
Götzinger – 24. Mai, 21:16
Von einem Bekannten bekam ich einen Tip, daß es in Baden/Wien ein neues China-Restaurant geben soll, daß über eine Rampe barrierefrei zugänglich ist.
Da ich immer gerne neue Lokalitäten kennen lerne, machte ich mich sofort auf, um das Lokal auszuprobieren. Doch welch Überraschung. Es gibt zwar rechts und links der Stufen eine Rampe, doch die ist so steil und rutschig, daß sie Rollstuhlfahrer im Alleingang lieber nich

t benützen sollten.
Götzinger – 24. Mai, 20:57
Nachdem der Vorplatz bei der Stadthalle neu gestaltet wurde, wurden auch fünf Behindertenparkplätze eingerichtet. Doch jedes Mal wenn ich hinkam, war der Schranken herunten und die Behindertenparkplätze mit Absperrgittern und Abstellhütten verstellt. Die Konsequenz - ich mußte jedes Mal

in der Umgebung oder in der Lugner-Garage kostenpflichtig parken.
Ich fühlte mich als rollstuhlfahrende Autofahrerin richtiggehend gefrotzelt - da kennzeichnet man eine Fläche mit Behindertenparkplätzen, da dann nicht zu benützen sind.
Anfrage
Nachdem ich mindestens sechs Mal ähnliche Erlebnisse hatte, stellte ich über die Homepage "Barrierefreie Stadt" der Stadt Wien -
http://www.wien.gv.at/menschen/barrierefreiestadt/ - an die Stadthalle eine Anfrage dazu. So schnell konnte ich der Sache gar nicht nachgehen, waren die Behindertenparkplätze verschwunden.
Bravo!
Jetzt gibt es keine öffentlichen Behindertenparkplätze mehr - aber die hat es zuvor auch nur pro forma gegeben - siehe Foto.
Götzinger – 24. Mai, 20:37
Letztens erzählte mir eine Bekannte, daß sie es durchgesetzt hat, daß am Petersplatz ein Geschäft, nach einer Gehsteigsanierung stufenlos zugänglich ist.
Das wollte ich mir anschauen, denn dieses Vorhaben, habe ich noch nicht wirklich zusammengebracht.
Ich suchte am Petersplatz das Objekt der Begierde, fand es auch, jedoch zeitgleich fiel mir auf, daß gegenüber ein neues Restaurant eröffnet wird, allerdings mit einer schönen Marmorstufe.
Zufällig inspizierte der Geschäftsführer den Eingang mit der nagelneuen Marmorstufe. Ich fragte ihn, ob die Stufe bis zur Eröffnung noch wegkommen wird. Er antwortet: "Das überleg' ich mir noch bis nächste Woche".
In der Zwischenzeit zogen die Wochen ins Haus und die Stufe beim Restaurant ist geblieben.Was soll Rollstuhlfahrer machen? Sich ärgern? Abhaken mit der Anmerkung: "Wieder ein Lokal weniger, in das wir rein können" oder hoffen, daß beim nächsten Umbau an einen stufenlosen Eingang zumindest gedacht - wenn auch nicht umgesetzt - wird, weil die Auflagen für barrierefreies Bauen zu schwach sind?
Götzinger – 24. Mai, 20:19

Vor kurzem war ich in der Nähe des Fonds Soziales Wien (FSW) unterwegs. Als ich auf dem Blindenleitsystem ein Moped parken sah, fuhr ich näher hin und machte ein Foto. Der Besitzer des Mopeds hat mich anscheinend dabei beobachtet, kam zu mir, und fragte, ob mir sein Moped so gut gefalle, daß ich es fotografiere:
Ich antwortete, daß sich die blinden Leute, vor allem, die die beim FSW arbeiten, freuen werden, wenn sie über das Moped einen Köpfler machen, wenn sie das Blindenleitsystem benützen wollen.
Darauf antwortete der Mopedbesitzer: "Und ich hab geglaubt, das ist Kunst!"
Götzinger – 24. Mai, 19:50

Ich war bis vor kurzem regelmäßiger Gast beim Kino in der Krieau. Vor allem auch deshalb, weil es in der Nähe einen eindeutig gekennzeichneten Behindertenparkplatz gab. Doch seit kurzem fehlt die zweite Begrenzungstafel, so daß nicht mehr eindeutig geklärt ist, wo der Behindertenparkplatz anfängt und wo er aufhört.
Meldung
Ich machte eine Meldung auf der Homepage Barrierefreie Stadt der Stadt Wien -
http://www.wien.gv.at/menschen/barrierefreiestadt/ - die einzige Antwort war, daß das Gelände der Magistratsabteilung für Sport und Schwimmbäder gehört. In der Zwischenzeit liegt meine Meldung schon über zwei Jahre bei der zuständigen Abteilung, passiert ist noch immer nichts, wie ich mich vor kurzem vergewissert habe!
Lösung
Ich weiß schon, mit behinderten Leuten will man nicht unbedingt etwas zu tun haben, aber muß es gleich solch eine Ignoranz dem Thema Behindertenparkplätze gegenüber sein?
Götzinger – 11. Mai, 21:18
Am Tag der offenen Tür
machte ich mir den Spaß, zu überprüfen, wie weit imn neuen Gesundheitszentrum die Normen für behindertengerechtes Bauen eingehalten wurden. Die Eindrücke waren leider nicht berauschend. Nicht nur, daß der Weg zum Eingang etwas steil ausfiel, gibt es derzeit auch in unmittelbarer Nähe zum Eingang keine Behindertenparkplätze - aber da man die Hoffnung nicht aufgeben sollte, vielleicht kommen sie noch?
Behindertentoiletten
Etwas erstaunt war ich auch, als ich den Luft benützte. Die Kabinen sind so klein ausgefallen, daß neben meinen kleinen Rollstuhl nur mehr zwei Personen Platz haben mitzufahren. Etwas später wies man mich darauf hin, daß der Rollstuhllift um die Ecke sei - was ich allerdings nicht bemerkte, da kein Hinweisschild vorhanden war. Behindertentoiletten sind vorhanden, allerdings sind die Türen dahin, sehr schwer aufzumachen und die Mistkübel sind mit Fußpedale ausgestattet, was bei einem Rollstuhl-WC, das vorwiegend von Rollstuhlfahrern ohne Beinfunktion benutzt wird, etwas kurios wirkt.
Zum Thermalbecken
gibt es fünf Stufen, und für Rollstuhlfahrer separat einen Hebesessel. Hier stellt sich für mich die Frage, warum hat man das Becken nicht in den versenkt und einen Einstiegsbereich in Höhe eines Rollstuhlsitzes gemacht, ähnlich wie es bisher bei den beiden Becken im Thermalbad war?
Behandlungsräume
Die Badewannen sind entweder über zwei Stufen zu erreichen oder der Einstieg ist in Brusthöhe eines Rollstuhlfahrers. Auf Nachfrage, wie den RollstuhlfahrerInnen in die Wanne kommen, erklärte man mir, daß dafür ein spezielles Gurtesystem vorgesehen wäre. Meine Frage dazu: warum muß denn eine Badewanne so hoch sein? Es gibt doch in der Zwischenzeit auch höhenverstellbare Wannen, warum nimmt man nicht diese, sondern versucht es mit einem Gurtesystem, welches erfahrungsgemäß nach einem Personalwechsel, keiner mehr zu bedienen weiß und somit behinderte Personen wieder nicht in den Genuß einer Therapie kommen (können).
Das Anbringen von Kleiderhaken und Spiegeln muß ein Riese gemacht haben, die niedrigste Spiegelunterkante, die ich gemessen habe, war bei 1,72 m, meist aber war sie auf 1,80 m, ebenso verhielt es sich mit den Kleiderhaken. Kleinere Personen hatten alle Probleme. Jetzt frag ich mich, wie sollen RollstuhlfahrerInnen damit zu recht kommen, die durchschnittlich eine Reichweite im Sitzen von 1,0 m bis 1,30 m haben?
Positiv aufgefallen
sind mir die Liegen mit 45 cm Höhe, auf die man sich ohne fremde Hilfe umsetzen kann.
Resümee
Obwohl viel Geld in die Hand genommen wurde, bin ich alles in allem wieder einmal überrascht, daß man die Bedürfnisse von RollstuhlfahrerInnen und anderen Behindertengruppen nicht in der Planung berücksichtigt hat.
Götzinger – 11. Mai, 12:09

Als ich mich letztens auf den Behindertenparkplatz eines Einkaufszentrums stellen wollte, staunte ich nicht schlecht - über beide Behindertenparkplätze hatte ein Mitarbeiter der Brillenfirma Fielmann sein Auto geparkt. Da fragte ich mich: "Wer braucht hier eine Brille?"
Götzinger – 11. Mai, 12:02

Wirklich keinen Spaß macht es, wenn eine Behindertentoilette mit allen möglichen Geräten verstellt ist und es somit verunmöglicht wird, daß es die eigentliche Zielgruppe benützen kann. Vielleicht geschehen noch Wunder?
Götzinger – 11. Mai, 11:28
Götzinger – 4. Mai, 13:11
Dieser Beitrag wurde über das Projekt "Frausein - barrierefrei" geschrieben, bei dem ich mitgearbeitet habe und den ich wert finde, ihn öffentlich zu machen:
"Frau sein ohne Barrieren" heißt ein Förderprojekt für Frauen mit Behinderungen der Firma Online Schulungs- und Beratungsges.mbH, das im Februar startete und im Dezember 2003 seinen Abschluss finden wird. In Zusammenarbeit mit der Wirtschafts- und Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und dem Arbeitsmarktservice soll eine Sensibilisierung für die Vielzahl von sichtbaren und unsichtbaren Barrieren erreicht werden, die es den Frauen verunmöglichen, an Aus- und Fortbildungsprogrammen teilzunehmen und einen ihren Qualifikationen und Behinderungen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden.
Auftakt der Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung für die Hürden im Alltag war eine bundesweite Befragung von 800 Frauen mit Behinderungen, die über ihre Berufs- und Lebenssituationen Auskunft gaben. Dabei kamen bauliche Barrieren, wie Stufen, fehlende oder zu schmale Lifte, nicht vorhandenen Behindertentoiletten ebenso zur Sprache wie nicht vorhandenes Lehrmaterial in Blindenschrift oder fehlende GebärdensprachdolmetscherInnen für Gehörlose.
Projektmitarbeiterin und Behindertenbeauftragte der Uni Wien, Kornelia Götzinger, stellt fest, dass 75 % der befragten Frauen in der Stadt berufstätig sind. "Städtische Strukturen sind für Frauen mit Behinderungen wesentlich förderlicher als ländliche Strukturen, wo die eigene Mobilität oft nicht so vorhanden ist.", so Götzinger. Über die Lebenssituation der befragten Frauen gibt sie Auskunft, dass mehr als die Hälfte alleine leben, ein Drittel mit Partner oder Ehemann, wobei ein Großteil dieser Frauen auch ein bis zwei Kinder hat.
Die Ergebnisse der Umfrage werden am Ende des Projekts in ein Handbuch einfließen, dass eine Art Leitfaden für behindertengerechte Arbeitsplätze und Strukturen im Ausbildungsbereich bereitstellen wird und auf Mängel wie Handlungsmöglichkeiten hinweist. Material dafür werden auch die verschiedenen Round Tables liefern, die regelmäßig in Wien und in den Bundesländern veranstaltet werden und auf denen gemeinsam diskutiert und beraten wird.
Einen Teil der Maßnahmen des Projekts unter der Leitung von Mag.a. Monika Haider umfasst auch Vernetzungs- und Aufklärungsarbeit zwischen wirtschaftlichen, arbeitsmarktrelevanten und Bildungseinrichtungen. "Viele Bildungseinrichtungen wissen nicht einmal, ob sie barrierefrei zugänglich sind", berichtet Götzinger. Besonders hingewiesen wird im Projekt auf den Genderaspekt der Problematik: Das unterschiedliche Einkommensniveau zwischen Männern und Frauen schlägt sich in Lebensqualität und Lebensplanung nieder, adäquate Teilzeitjobs für Frauen ab der Pflegegeldstufe 6 oder 7 seien nicht vorhanden. Von der beruflichen Integration Behinderter würden hauptsächlich Männer den Nutzen ziehen, so ist im Budget der Förderprogramme des Sozialministeriums 57% für Männer und 43% für Frauen vorgesehen.
Denn prinzipiell sei eine Person mit Behinderung ohne Arbeitsmarktassistenz nicht mehr vermittelbar. Betriebe sind ab bzw. pro 25 MitabeiterInnen verpflichtet, einen "geschützen Arbietsplatz" zur Verfügung zu stellen. Von der Struktur her seinen aber die Erfahrungen, dass es leichter ist, eine Person mit Behinderung in einer Betriebsgröße von unter 25 Beschäftigten zu installieren. Am österreichischen Sozialsystem kritisiert Kornelia Götzinger, dass zu wenig flexibel nur "Arbeit oder Pensionierung" vorgesehen sei. Wer die "Arbeitsunfähigkeitspension" in Anspruch nimmt, darf nicht arbeiten und umgekehrt. Wenn eine Frau etwa nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist, dann kann sie entweder in Pension gehen oder muß eine 40 Stunden Arbeit annehmen, da der Aufwand an Lebenskosten mit einer 20-Stunden Arbeit nicht bewältigbar ist. "Querschnittgelähmte können aber von der Abstrengung her keine 40 Stunden arbeiten." so Götzinger. Vorbild ist für die Projektmitarbeiterin die Regelung in Dänemark: Dort nämlich bekommt jede behinderte Person den Rest auf die gesetzlich vorgeschriebene Vollzeitbeschäftigung vom Staat ersetzt.
Text: Petra Hübl 12.9.2003
Götzinger – 19. Feb, 13:28
Gastbeitrag von Kornelia Götzinger am 9. April 2003
Mehr als zehn Prozent der Studierenden sind behindert oder chronisch krank. Die daraus resultierenden Probleme liegen oft nicht an der Krankheit selbst sondern an der fehlenden Infrastruktur.
Rund 9.900 Personen sind an der Universität Wien in irgendeiner Form gesundheitlich beeinträchtigt. Die größte Gruppe sind chronisch Erkrankte, AllergikerInnen und Personen mit einer Atemwegserkrankung. Körperbehinderte Studierende (RollstuhlfahrerInnen, Stock- und KrückengeherInnen) sind zu circa zehn Prozent an der Universität Wien vertreten. Sehbeeinträchtigt sind fünfzehn Prozent und sechs Prozent sind in irgendeiner Form hörbehindert oder gehörlos. Durch die immer stärker Fuß fassende Schulintegration werden die Zahlen behinderter Studierender in den nächsten Jahren deutlich steigen.
Fehlende Infrastruktur
Erfahrungsgemäß gehen behinderte Studierende weniger oft zu Lehrveranstaltungen und haben einen wesentlich höheren organisatorischen Aufwand, ihr Studium zu bewältigen. So kann die positive Bescheidung eines Antrags auf Aushändigung eines Liftschlüssels zwei Monate dauern. Schleichwege ausfindig zu machen, weil der Hauptweg Stufen hat, kann bis zu 30 Minuten in Anspruch nehmen. Dazu kommen noch fehlende Handläufe, schlecht beleuchtete Hörsäle und nicht vorhandene Schreibpulte für RollstuhlfahrerInnen. Von blinden Personen kommt immer wieder die Klage, dass der Uni-Campus aufgrund seiner Wegführung ohne fremde Hilfe nicht zu benützen ist. Diese Probleme könnten gelöst werden, wäre in den letzten Jahren auf behindertengerechte Baumaßnahmen nicht immer wieder verzichtet worden.
Öffentliche soziale Stellen zahlen
Da die Universität Wien keine Zivildiener und GebärdendolmetscherInnen für behinderte Studierende zur Verfügung stellen kann, müssen behinderte Studierende ihre benötigte Assistenz und Hilfsmitteln bei Kostenträgern wie dem Bundessozialamt einreichen. Die Bewilligung der Anträge kann oft bis zu einem Jahr dauern. Da in Österreich nur behinderte Menschen, nicht aber Einrichtungen wie Schulen, Universitäten oder Firmen von öffentlicher Hand gefördert werden, war zum Beispiel der Einbau eines ebenerdig zugänglichen Liftes ein Bauprojekt, dass sich über zwölf Jahre hinzog, bis sich alle zuständigen Stellen bereit erklärten, die Kosten zu übernehmen.
Blindengerechter Leseplatz
Für die Aufbereitung von Vorlesungsunterlagen ist im Sonderleseraum der Universität Wien ein blinden- und sehbehindertengerechter Leseplatz eingerichtet. Die beiden Mitarbeiterinnen Kerstin Tischler und Ursula Hermann sind bestrebt, so schnell wie möglich Bücher und Skripten in Blindenschrift auszudrucken. Dieser Service wird für Studierende kostenlos angeboten.
Organisation ist das halbe Leben
Behinderte und chronisch kranke Studierende müssen organisieren können, um an der Universität Wien zu überleben. Dennoch haben sie sehr oft Probleme bei der Beschaffung von Informationen, von Büchern und Skripten, bei der Anmeldung zu Prüfungen und bei der Abholung von Zeugnissen. Mangelnde Unterstützung der Vortragenden ist auch oft ein Kritikpunkt. Die Anwesenheitspflicht macht vor allem berufstätigen behinderten Studierenden schwer zu schaffen. Der Zugang zu Informationen wie zum Beispiel der Aushang von Prüfungsterminen wird vor allem von sehbehinderten und blinden Personen kritisiert. Oftmals sind Lehrende nicht bereit, Kopien ihrer Overheadfolien sehbehinderten Studierenden zu überlassen. Das Mitschreiben des Vorlesungsstoffes wird vor allem von schwer sehbehinderten und blinden Menschen kritisch bewertet. Oftmals wäre diesen Personen viel geholfen, wenn ihnen die Aufnahme mittels Kassettenrecorders vom Vortragenden erlaubt werden würde.
Prüfungsbestimmung für behinderte Studierende
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich durch den Prüfungsmodus. Obwohl der Gesetzgeber in dieser Hinsicht schon vor Jahren folgende Bestimmung festgeschrieben hat: § 55 (3): Die oder der Studierende ist berechtigt, mit der Anmeldung die Ablegung der Prüfung in einer von der im Studienplan festgesetzten Prüfungsmethode abweichenden Methode zu beantragen. Dem Antrag auf Genehmigung einer abweichenden Prüfungsmethode ist zu entsprechen, wenn die oder der Studierende eine länger andauernde Behinderung nachweist, der ihr oder ihm die Ablegung der Prüfung in der vorgeschriebenen Methode unmöglich macht, und der Inhalt und die Anforderungen der Prüfung durch eine abweichende Methode nicht beeinträchtigt werden", wissen die wenigsten Prüfer darüber Bescheid. Es bleibt also noch viel zu tun. Gesundheitliche Probleme machen behinderten und chronisch kranken Studierenden die wenigsten Probleme. Viel eher sind es inakzeptable Studienbedingungen, eine unzureichende Betreuung durch das Lehrpersonal und die mangelhafte Infrastruktur, die zu Überlegungen führen, das Studium abzubrechen. Um dies zu verhindern, müssten EntscheidungsträgerInnen umdenken. Behinderte Studierende dürfen nicht länger als BittstellerInnen angesehen werden. Sie haben die gleichen Rechte wie alle anderen Studierenden.
entnommen aus: dieuniversität online
Kornelia Götzinger, Behindertenbeauftragte der Universität Wien von 1996-2009
Götzinger – 19. Feb, 13:20

Das
Wahllokal im 10. Bezirk, Hugo Meisel-Weg 6 ist für
Rollstuhlfahrer eine Zumutung. Nicht nur, daß es bis zum Eingang eine so
steile Auffahrt gibt, die auch Elektrorollstuhlfahrer nur mit Mühe
bewältigen, war dieses Mal die Eingangstüre nach der Rampe versperrt. Es
gibt dort keine Möglichkeit sich nur irgend wie bemerkbar zu machen, da es
weder eine Glocke noch irgend einen Hinweis auf eine Telefonnummer gibt.
Auch auf der Amtlichen Wahlinformation gibt es diesbezüglich keinen Hinweis,
nur, daß das Wahllokal "ebenerdig" ist. Der Hinweis "ebenerdig" ist in
diesem Fall eine Farce, denn alleine die Auffahrt mit über
20 % Steigung hat
nichts mehr mit einem angeblichenen "ebenerdigen" Eingang zu tun. Zeitgleich
wie ich das Wahllokal aufsuchen wollte, plagte sich eine ältere Frau mit
ihrem Rollator über die 7 Stufen neben der Rampe.
Nachdem ich es endlich geschafft hatte, daß man mir die Türe aufsperrt, was
mir nur mit vorbeikommenden Passanten gelang, erklärte man mir, man könne
die Tür aufgrund von Sicherheitsbestimmungen nicht offen lassen. Erstens
möchte ich wissen, was in dem Fall Sicherheitsbestimmungen bedeuten, wenn
die Tür nur auf einen Gang führt, andererseits ist die Einschätzung
"ebenerdig" - von wem sie auch getroffen wurde - in diesem Fall falsch.
Nicht nur die steile Auffahrt macht Probleme, eine versperrte Rampentür, mit
der ich bei der letzten Wahl schon zu kämpfen hatte und dieses Mal eine
versperrte Eingangstüre sind eine Zumutung und
hindern Rollstuhlfahrer an
Wahlen teilzunehmen.
Was ich aber absolut nicht verstehe, gleich daneben, auf dem Tesarekplatz
ist eine komplett ebenerdige Schule, die darf ich zum Wählen nicht benützen.
Götzinger – 9. Jun, 12:39
Mit themenbezogenen und geführten Spaziergängen wie "Jugendstil und Jahrhundertwende" oder "Wau! Auf der Fährte von Kommissar Rex lustig durch die Stadt" will der Wiener Städtetourismus neue Akzente setzen. Neue Wege sollen nun auch mit rollstuhlgeeigneten Führungen befahren werden. Damit diese Idee aber nicht zur Farce wird, bedarf es mehr als nur des Hinweises "Rollstuhlgeeignete Führung".
Die Führung kann beginnen ...
Wien, im Herbst 2004. Kurz vor 11 Uhr kreise ich um die Albertina und versuche einen der fünf in Nähe des Burggartens aus gewiesenen Behindertenparkplätze anzusteuern. Es scheint wie so oft chancenlos. Zusätzlich klingelt das Handy - ich bin gestresst. Meine persönliche Assistentin möchte wissen, wo ich bleibe, die Führung zu den Sehenswürdigkeiten des Wiener Jugendstils habe gerade vor dem Palmenhaus im Burggarten begonnen. Schließlich finde ich dann doch noch einen Parkplatz - Glück gehabt. Abgehetzt radle ich mit meinem Rollstuhl zum Treffpunkt. Ich bin augenscheinlich die einzige behinderte Teilnehmerin der rollstuhlgeeigneten Führung, für die ich 30 Euro bezahlt hatte. Viel dürfte ich noch nicht versäumt haben. Die Fremdenführerin erklärt gerade, dass das Palmenhaus eigens für die kaiserliche Familie erbaut wurde. Jetzt ist der linke Teil ein Schmetterlingshaus, das RollstuhlfahrerInnen ohne Stufen besuchen können. Im rechten Teil befindet sich heute ein Café-Restaurant der gehobeneren Klasse, allerdings mit 3 Stufen davor.
Weiter geht's mit Stufen, Stiegen, Gehsteigkanten ...
Der Weg zum Goethe-Denkmal, unserem nächsten Ziel, ist mit nicht abgeschrägten Gehsteigen gespickt. Meine persönliche Assistentin muss mir zu Hilfe kommen, sonst verliere ich die Gruppe inklusive Fremdenführerin. Vor einem der Ringstraßenpalais stehend, erfahren wir, dass es die hohen Räume nur an den der Straße zugewandten Seiten gab. Je mehr man in die Innenhöfe kam, umso niedriger wurden die Plafonds. Das hängt mit der schnell wachsenden Bevölkerung in Wien Anfang des 20. Jahrhunderts zusammen. So wurden Decken in die Räume eingezogen, um Wohnraum zu schaffen. Der Rundgang führt uns weiter zum 1913 erbauten Hotel Bristol. Dann, an der Oper vorbei zum Otto-Wagner-Pavillon, muss ich mich von der Gruppe trennen und einen anderen Weg einschlagen, um ohne Stufen dorthin zu gelangen.
Der Titel "Rollstuhlgerechte Führung" wird langsam zur Farce ...
Hermann Bahr, ein Zeitgenosse Otto Wagners, sagte: "Nur das Zweckmäßige kann schön sein." Den Otto-Wagner-Pavillon sieht man als RollstuhlfahrerIn allerdings nicht von innen, drei Stufen beim Eingang wissen dies zu verhindern. Die nächste Station ist das Café Museum. Um dorthin zu kommen, muss ich wieder einen riesigen Umweg machen. Aber das ist auch schon egal, ins Café Museum führen sowieso wieder zwei Stufen. Und das, obwohl erst unlängst eine Generalsanierung durchgeführt wurde, bei der die Stufen laut Ö-Norm B1600 eigentlich in einen barrierefreien Zugang umgewandelt hätten werden sollen. Wieso dies nicht passierte, wäre wohl eine eigene Geschichte wert. Wieder heißt es für mich, draußen vor der Tür zu warten, bis alle das Café von innen gesehen haben.
Höhepunkt Secession ...
Über dem Eingang der Secession steht in großen Lettern "Ver Sacrum" - Heiliger Frühling. Von diesem Leitgedanken konnte an diesem Tag keine Rede sein. Alle TeilnehmerInnen der Führung, inklusive meiner persönlichen Assistentin, beschließen, einen Rundgang durch die Innenräume der Secession zu machen. Mir ist es wieder vergönnt, draußen zu warten, denn in die Secession kommt man nur über jede Menge Stufen. Es beginnt zu regnen. Jetzt ist endgültig der Zeitpunkt gekommen, wo ich den angeblich barrierefreien Rundgang in Frage stelle. Innerlich bin ich am Kochen. Ich beginne Autos zu zählen. Fast 20 Minuten warte ich im Regen, bis die ersten TeilnehmerInnen wieder heraus kommen. Und das alles ohne Regenschirm, denn Regenschirm und Rollstuhl vertragen sich nicht. Eigentlich wurde auf der linken Seite der Secession eine Hubplattform eingebaut, diese ist aber mit zwei Schlössern abgesperrt und es gibt keine Möglichkeit, sich mittels einer Glocke oder Gegensprechanlage bemerkbar zu machen. Endlich kommt auch die Fremdenführerin wieder aus der Secession heraus und sagt zu mir: "Sie Arme, aber es ging nicht schneller".
Die Führung neigt sich dem Ende zu ...
Es ist nach 12 Uhr mittags. In der Köstlergasse wartet ein weiterer Jugendstil-Bau von Otto Wagner auf uns. In diesem Gebäude ist eine Bank untergebracht, die bis vor kurzem noch drei Stufen beim Eingang hatte. Jetzt ist sie ohne Stufen, mit einer Rampe auch für RollstuhlfahrerInnen zugänglich. Alle Wohnungen, die Otto Wagner baute, hatten ein Badezimmer. Eine fortschrittliche Planung, wenn man bedenkt, dass von den derzeit 800.000 Wiener Wohnungen im Jahr 2004 noch rund 90.000 Wohnungen ohne Badezimmer oder WC waren. Abschließend erklärt uns die Stadtführerin noch, dass der Lift um die Jahrhundertwende entwickelt und in den Häusern von Otto Wagner auch eingebaut wurde. Allerdings fuhren die Lifte nur hinauf, runter musste man zu Fuß gehen. "Na, da kann ich ja froh sein, dass ich heute lebe", denke ich erschöpft am Ende dieser Führung, die für mich wahrlich kein Spaziergang war.
Autorin: Kornelia Götzinger
entnommen dem Buch: Mainual - barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit
Götzinger – 20. Mrz, 09:30
Kulturgenuss mit Hürden
In den letzten Jahren wurde das Wiener Veranstaltungsgesetz und das Veranstaltungsstättengesetz für RollstuhlfahrerInnen zwar verbessert. Der Weg zum vergnüglichen Kunstgenuss kann sich dennoch als wenig erfreulich erweisen. Die ersten Hürden stellen sich manchmal schon beim Kauf der Eintrittskarte. Kornelia Götzinger ist Expertin für bauliche Barrieren, kritische Stadtbenutzerin im Rollstuhl und Kulturliebhaberin. So manche ihrer Erfahrungen im kulturellen Alltag lassen sich in die Rubrik "Absurdes Theater" einordnen.
Der Ticket-Marathon
Jazzfest Wien. Die ersten Veranstaltungsplakate sind zu sehen. Ich finde ein detailliertes Programm mit den Adressen aller Vorverkaufsstellen und freue mich auf einige Konzerte. Um Karten zu erstehen, fahre ich zur Verkaufsstelle neben der Staatsoper, von der ich weiß, dass sie stufenlos erreichbar ist. An der Kasse verlange ich je eine Rollstuhlkarte für drei Konzerte. Die Dame an der Kasse erklärt mir, dass sie keine Rollstuhlkarten verkaufen könne. Wo ich die Karten bekomme, kann sie mir nicht sagen. Ziemlich frustriert ziehe ich von dannen.
Einige Tage später starte ich einen neuen Versuch und steuere die barrierefreie Verkaufsstelle im Museumsquartier an. Dort erklären mir die Mitarbeiter sehr nett und gleichzeitig tröstend, dass sie keine Rollstuhlkarten in ihrem Sortiment haben. Es gäbe zwar welche, doch müsse ich mich direkt an den Veranstalter wenden. Sie drücken mir einen Zettel mit der Internetadresse in die Hand. Auf der Website des Veranstalters finde ich eine Email-Adresse, an die ich sogleich eine Anfrage schicke, wohin ich fahren muss, um zu den gewünschten Rollstuhlkarten zu kommen. Als Antwort wird mir mitgeteilt, ich möge mich doch bitte an das Kartenbüro im 9. Bezirk wenden. Gesagt, getan. Vorsorglich reserviere ich dort gleich die Karten per Email. Im Rückmail erfahre ich, dass die Karten persönlich sobald wie möglich abzuholen sind, ansonsten werden sie an andere RollstuhlfahrerInnen weitergegeben.
Also fahre ich am nächsten Tag zum Kartenbüro und traue meinen Augen nicht. Der Eingang hat eine Stufe! Ich bin kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Da ich keine Passanten sehe, die mir über die Stufe helfen könnten, zücke ich mein Handy und rufe im Kartenbüro an. Zum Glück habe ich die Telefonnummer dabei. Ein Mitarbeiter kommt heraus. Er ist zwar mit mir, meinem Rollstuhl und der Stufe etwas überfordert, aber irgendwie schaffen wir es dann doch ins Verkaufslokal. Über den Hausflur wäre ich ohne Stufen ins Kartenbüro gelangt, wird mir gesagt. Ein super Tipp, der leider aber gar nichts nützt, wenn beim Geschäftseingang kein entsprechender Hinweis hängt. Nachdem ich die Karten eingesteckt habe, frage ich noch, wie viele Rollstuhlkarten schon verkauft wurden. "Sie sind die erste", lautet die Antwort. Und auch die einzige, wie sich bei den Konzerten dann herausstellte. Das wundert mich nicht.
Autorin: Kornelia Götzinger
entnommen dem Buch: Mainual - barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit
Götzinger – 20. Mrz, 09:28